Blick von Bergamos Stadtmauern

Vergiss Mailand! Urlaub in Bergamo mit Kind – Ein Erfahrungsbericht

Kategorien: Kinder Reisen

Eine kleine Lektion über eine blaue Tasche

Inhaltsverzeichnis

Eine der schönen Eigenschaften Bergamos ist, dass der Flughafen dicht an der Stadt liegt und entsprechend einfach und kostengünstig per Bus erreicht werden kann. Nach wenigen Minuten schob sich der Bus bereits auf den Hügel der Altstadt und folgte der alten Stadtmauer. Die Aussicht aus dem Bus auf die tiefer liegende Stadt und die Berge machte mich ganz kribbelig und ich konnte nicht erwarten auszusteigen. Es war ein sonniger Wintertag und die Sicht reichte bis ins Unendliche.

An der Endstation angelangt, machten wir uns an den kurzen Fußweg zum Hotel. Noch immer euphorisiert von den ersten Eindrücken, nahmen uns die Gassen sofort gefangen – nur um dann jäh ins Jetzt zurückgeholt zu werden. Gedankenverloren hatten wir im Rausch des Augenblicks eine Tasche im Bus zurückgelassen. Ich hatte sie, um anderen Gästen Platz zu machen, auf dem Radkasten abgestellt und dort stehen lassen. Jetzt spurtete ich die gerade zurückgelegte Strecke zurück zur Haltestelle, in der (irrationalen) Hoffnung, der Bus wäre vielleicht noch nicht wieder abgefahren. Schließlich war hier die Endhaltestelle und wir hatten beobachtet, dass die Busse eine Weile Station machten, ehe sie wieder aufbrachen. Tatsächlich, der Bus stand noch immer dort! Ich war mir sicher, bis ich durch die Scheibe blickte und enttäuscht feststellen musste, das war nicht „unser“ Bus. Wir waren wohl doch länger unterwegs gewesen, bis wir unseren Verlust bemerkt hatten, als zunächst gedacht.

Der Busfahrer hatte inzwischen anhand meines belämmerten Gesichts ganz offensichtlich gemerkt, dass etwas nicht stimmte und er sprach mich an. Leider auf Italienisch. Ich versuchte es auf Englisch, doch der Fahrer winkte entschuldigend ab. Irgendwie konnte ich mich aber doch verständlich machen und er verständigte Kollegen oder die Zentrale. Erfolg hatte er damit allerdings nicht. Wir entschlossen uns zu warten. Die Busse verkehrten im Kreis und so waren wir sicher, dass der Bus irgendwann wieder ankommen musste. Und mit ihm die Tasche. Wenn nicht jemand zuvor mit ihr ausgestiegen war.

Während wir warteten und verschiedenen Fahrern unsere Lage schilderten, schwand unsere Hoffnung immer mehr. Tausend Gedanken schwirrten uns zu diesem Zeitpunkt durch den Kopf. Der Verlust aus materieller Sicht war bitter, aber erträglich. Das ließ sich alles ersetzen. Auch das Bargeld in nennenswerter Höhe. Alarmierend war die Tatsache, dass sich sowohl der Pass meiner Partnerin, als auch der unseres Babys darin befand. Ohne Pässe keine Ausreise! Ich verfluchte mich mehrmals, dass ich die Tasche dort abgestellt hatte. Wie konnte man so dämlich sein?

Inzwischen hatten wir einen Kioskbesitzer in unsere Notlage einbezogen und als Dolmetscher hinzugezogen. Er erklärte den Busfahrern, was uns widerfahren war, aber auch diverse Nachfragen ergaben nichts. Nach einer geschlagenen Stunde machten wir uns auf Empfehlung auf zum nahegelegnen Büro der Carabinieri. Auch dort konnten wir uns nur mit Mühe verständlich machen. Die beiden Anwesenden verstanden nur wenig von dem, was wir erzählten, bekamen aber das Wesentliche doch irgendwie mit. Während der eine Carabiniere sich ans Telefon klemmte, stiefelte der andere hinaus. Man bedeutete uns zu warten.

Ohne genau zu verstehen, was telefoniert wurde, konnten wir einzelne Wortfetzen verstehen und auch an der Tonlage erkennen, dass etwas passiert war. „Arrivi?“ fragte der Beamte auf unserer Seite etwas ungläubig, dann blickte er zu uns und fragte „Blu?“, was wir bejahten. Wir schauten uns ungläubig an, weil wir die Hoffnung eigentlich schon begraben hatten. Entweder hatte der Beamte nur das wiedergegeben, was wir ihm bereits geschildert hatten oder jemand hatte ihm gerade erzählt, dass eine blaue Tasche angekommen war. Einen Augenblick schwebten wir zwischen Hoffen und Bangen, dann hatten wir Gewissheit. Zufrieden gab uns der Beamte zu verstehen, dass die Tasche just nach unserem Verschwinden von der Haltestelle am Kiosk abgegeben wurde, ein Kollege sei schon auf dem Weg, um sie abzuholen. Und noch einmal war uns das Glück gewogen: Nicht nur die Ausweise und übrigen Dokumente waren noch in der Tasche, nichts fehlte!

Das Grinsen in meinem Gesicht hielt an, bis wir eingecheckt, das Zimmer bezogen und uns auf die Suche nach einem späten Frühstück gemacht hatten.

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