An der Zeche Zollverein - VIVAWEST 2019

Tief im Westen – VIVAWEST-Marathon 2019

7. VIVAWEST-Marathon 2019

Noch zehn Minuten sind es bis zum Start und ich stehe quasi in vorderster Front. Vor mir steht der ehemalige Europameister Jan Fitschen. Als Teil einer Staffel will er heute den Deutschen Maratahonrekord brechen und spricht just im Moment in sein Smartphone. Letzter Gruß an die Follower. Meine Ambitionen sind bescheidener. Seit Mainz sind erst vierzehn Tage vergangen und normalerweise dürfte ich noch nicht wieder am Start eines Marathons stehen, den Freistart wollte ich aber dennoch nicht verfallen lassen. Außerdem habe ich Bock. Ich fühle mich sogar gut, trotz der Minipause von drei lauffreien Tagen und will einfach mal sehen, wie lange ich dem Zug- und Bremsläufer für 3:15 Std. folgen kann. Versuch macht „kluch“.

Die Taktik hält exakt bis zum Startschuss. Die Gänsehaut vom üblichen Tamtam vor dem Start ist gerade verschwunden, da fliege ich bereits viel zu schnell über den ersten Kilometer. Auch deshalb, weil es hier gleich mal ein paar Meter bergab geht und und ich nicht zum laufenden Hindernis für die schnelleren Läufer werden möchte, wo ich doch heute fast aus der ersten Reihe gestartet bin.

Bevor ich weiter durchdrehe, bremst mich ein Wabbeln über meinem Steißbein. Die im Startnummernhalter mitgeführten Gels schlagen mir bei jedem Schritt auf den Rücken. Sowas kann im Verlaufe der nächsten drei, dreieinhalb Stunden unerträglich werden. Ich beschließe, dem gleich ein Ende zu machen und nehme die Gels in meine Hände, je zwei links und rechts. Auch nicht toll, vor allem, wenn man an den Verpflegungsstationen Wasserbecher greifen und Kinder abklatschen will. Aber es ist ja absehbar, dass ich irgendwann freie Hände haben werde. Nach dem aktuellen Plan in 24 Kilometern abzüglich des einen Kilometers, den ich schon hinter mir habe.

Ein erstes Highlight – das letzte für lange Zeit

Einen kleinen Vorgeschmack auf die frenetischen Zuschauer im Pott bekomme ich, so denke ich zumindest, als ich mich kurz in die Sportschau der 80er-Jahre zurückversetzt fühle. Eine Frau am Straßenrand trötet was das Zeug hält – ein geiler Sound. Es klingt nach Parkstadion, fehlt nur noch der Geruch nach Kippe und Bratwurst. Mag ich beides nicht, gehört aber dazu.

An der Zeche Zollverein - VIVAWEST 2019
An der Zeche Zollverein – VIVAWEST 2019

Nach der nächsten Rechtskurve stehen links und rechts der Straße in die Jahre gekommene Wohnhäuser aus schwarzem Backstein. Vielleicht sind die Backsteine originär gar nicht schwarz und es ist die Patina aus Ruß und Kohlenstaub der letzten fünf Jahrzehnte. Wir sind in Essen. Kurz darauf wummert Musik über die Straße. Ein am Straßenrand geparkter Polizist ist im Partymodus und hat das Radio aufgedreht. Das lässt mich grinsen. Nur eine Kurve später kommt das Schlussfahrzeug in Sicht. Auch ein Polizeiwagen. Sammelt der die Läufer ein, die über dem Zeitlimit sind? Das hätte mal was.

Vor der Zeche Zollverein in Essen - VIVAWEST 2019
Vor der Zeche Zollverein in Essen – VIVAWEST 2019

Dann: Welterbe Zeche Zollverein – hierauf habe ich mich im Vorfeld sehr gefreut. Vor ein paar Jahren habe ich das Industriedenkmal schon einmal besucht und war schwer beeindruckt. Heute geht es mir nicht anders. Wir laufen direkt durch den Haupteingang. Alles überragend baut sich der markante Doppelbockförderturm im Hintergrund auf. Er ist gigantisch. Nicht weniger gewaltig ist die Kokerei, an der wir danach vorbei laufen. Ihre schieren Ausmaße sind unbegreiflich! Zwischendurch feuern uns die wartenden Staffelläufer zur Musik einer Live-Band an und ein als Bergmann aufgemachter Moderator gibt sein Bestes: „Das sieht sehr locker aus, ist nicht mehr weit.“ Noch fühle ich mich auch ziemlich locker. Ich klatsche ab und freue mich über die Sprüche, die mit Kreide auf den Boden geschrieben sind. „Biste bekloppt?“ ist einer davon, den ich ohne zögern mit „ja“ beantworten würde. Wer läuft schon freiwillig zwei Marathons in zwei Wochen auf Bestzeit? Aber „Wir sind hier nicht für zum Spaß!“, legt mir ein weiterer Spruch die Antwort in den Mund.

Keine 20 Minuten später steht wieder etwas auf dem Boden: „Hurensohn“. Gilt wohl nicht uns, sondern allgemein jedem, der hier vorbei kommt. Sylvie hatte beim Blick auf den Streckenplan noch gemahnt, das könne hart werden. Unrecht hat sie nicht. Hart ist es nicht, weil es dazu noch zu früh im Rennen ist, eher einsam und öde.

Was ich vorher nicht erkannt hatte auf dem Streckenplan: Der Nordsternweg ist ein Fahrradweg. Links und rechts begrünte Wälle, in der Mitte zweieinhalb Meter Asphalt. Zu sehen gibt es nichts, außer Brücken, die die Schneise regelmäßig überspannen. Da ist so eine auf den Boden geschmierte Beleidigung geradezu willkommene Abwechslung. Von Zeit zu Zeit stehen Zuschauer auf den Brücken und rufen Aufmunterndes: „Ein Viertel habt ihr schon!“. Tatsächlich! Ich bedanke mich artig für den Zuspruch und laufe weiter.

Steigende Hitze und eine aufkeimende Erkenntnis

Nach einer Weile laufen wir durch ein Spalier von Cheerleadern, die hier tapfer jeden einzelnen Läufer willkommen heißen, wiederum spielt eine Band. Es ist nach der Zeche Zollverein der nächste „Fanpoint“. Aber abgesehen von der privaten Laola ist nicht viel los. Genaugenommen ist die ganze Zeit über noch nicht arg viel Betrieb an der Strecke. Gut, der Fahrradweg ist kein Zuschauermagnet und auf den ersten Kilometern ist nie viel los. Aber schon auf dem Zechengelände war bis auf die Staffelläufer nicht der Bär los. Vielleicht kommt ja noch was.

Noch immer gibt es nicht viel zu sehen auf dem Radweg. Da sind die Überquerung der A42, des Rhein-Herne-Kanals und der Emscher noch die größten Ablenkungen. Auch Beleidigungen gibt es keine mehr auf dem Boden. Endlich hat der Radweg ein Ende und wir kommen in ein Wohngebiet. Stimmung! Die Schüler und Schülerinnen der Schülerstaffeln samt Begleitpersonen sorgen für einen ansteigenden Geräuschpegel.

Die Kehrseite ist die leichte Unruhe, die durch Staffeln ins Feld gebracht wird und das demotivierende Element, das von taufrischen Läufern ausgeht. Je schlimmer der eigene Zustand, desto größer die Demotivation. Gut, dass ich noch nicht so ramponiert bin, als sich laut schnaufend etwas ankündigt, das verdächtig nach Staubsauger klingt. Es ist ein Läufer der Schülerstaffel, der nach und nach erst mich, dann die Gruppe vor mir stehen lässt.

Mittlerweile ist es heiß. Heißer als angekündigt, würde ich sagen. Spitzentemperaturen von über 20 °C waren vorhergesagt worden, aber es hatte wenigstens bedeckt sein sollen. Davon ist momentan nichts zu spüren. Die Sonne hat sich unbarmherzig durch die dünne Wolkenschicht gefressen und schickt sich an, uns auf den nächsten gut 25 km zu grillen. Die Entscheidung für Shorts und Singlet waren goldrichtig, der Verzicht auf Sonnencreme fahrlässig. Das dämmert mir jetzt schon.

Wo es gerade wieder ruhig wird und schon wieder bergauf geht, dämmert mir noch ganz Anderes. Dass das Ruhrgebiet ganz schön hügelig ist, dass ich nicht auf auf frenetische Zuschauer hoffen brauche und vor allem schwant mir, dass das heute ein harter Lauf wird. Verdammt hart.

Ein guter Zeitpunkt, ehrlich zu sein

Mehr als 14 km bin bereits gelaufen. Das entspricht mehr als einem Drittel der Gesamtstrecke. Als Läufer rechnet man eine Menge und das Zerlegen der Strecke in Bruchteile (42 hat eine Menge Teiler!) ist eine meiner Beschäftigungen, denen ich während eines Laufes nachgehe. Nicht, weil ich einen Bruch-Fetisch habe, sondern weil ich so die Angst einflößende Distanz klein hacken kann. Sich klar zu machen, schon ein Drittel der Strecke geschafft zu haben, motiviert ungleich mehr als die genauso mathematisch korrekte Feststellung, noch zwei Drittel laufen zu müssen. Oder schlimmer noch: Es sind noch 28 km!

Was das angeht, bin ich nicht nur Mathematiker, sondern auch notorischer Lügner. Aus Selbstschutz. Ich rede mir ein, dass es nicht mehr weit ist, sperre den Gedanken an die ausstehenden Kilometer aus, überzeuge mich selbst, dass der Schmerz im rechten Bein gar nicht da ist. Ich verharmlose, beschönige, unterschlage, was mich mürbe machen kann. Und die Zuschauer sind kein Stück besser. Die lügen einen eigentlich schon von Anfang an aufs Dreisteste an. „Du siehst gut aus!“ und „Ist nicht mehr weit!“ sind die geläufigsten Lügen. Manchmal klappt das, manchmal eben auch nicht. Je nachdem, wie stark der Teil des Kopfes ist, der mich am Laufen halten will.

Streckenverlauf des VIVAWEST-Marathons 2019
Streckenverlauf des VIVAWEST-Marathons 2019

Heute funktioniert das nicht so gut. Noch laufe ich gleichmäßig unterhalb der notwendigen Durchschnittszeit. Der Kräfteverschleiß ist noch gar nicht so deutlich wahrzunehmen und wahrscheinlich erkennt man von Außen noch nichts von meiner einsetzenden Erschöpfung. Ich erkenne es eher an der Richtung, in die meine Gedanken fließen. Ich schiele schon fast sehnsüchtig auf die Halbmarathonmarke, denke kurzzeitig, dass es doch ganz schön wäre, sich heute nicht so quälen zu müssen und als sich die Strecke nach 15 km teilt – links Marathon, rechts Halbmarathon – wünsche ich mir, jetzt einfach rechts laufen zu können. Das ist ein guter Moment, ehrlich mit sich zu sein.

Wenn schon der größte Marathonläufer aller Zeiten über seinem Bett ein Zitat von Paulo Coelho hängen hat, das besagt, man solle sich nicht selbst belügen, wenn man erfolgreich sein will, dann sollte ich vielleicht dringend auch damit beginnen. Ich bin mir sicher, dass ich heute keine Bestzeit aufstellen werde, sicher, das Tempo nicht durchhalten zu können. Das ist nichts weniger als utopisch. Ganz kurz huscht mir sogar der Gedanke an ein Aussteigen durch den Kopf.

Der Wendepunkt: Prosper Haniel

Gladbeck ist erreicht und ich habe so langsam die Orientierung verloren. Gut, dass man sich beim Marathonlaufen keine Sorgen um den richtigen Kurs machen muss, man wird geleitet, egal wie bräsig man ist. Mich verwirren die ineinander über gehenden Städte und registriere nur an den Ortsschildern, dass ich mich mal hier mal dort befinde. Das Konzept eines Marathons, dessen Strecke durch gleich vier Städte verläuft, ist schon außergewöhnlich. Nur habe ich den Eindruck von den Städten gar nicht so viel zu sehen.

Die Halbmarathon-Marke liegt zwischen Gladbeck und Bottrop. Was bin ich froh! Nicht, in Bottrop zu sein, sondern die Hälfte geschafft zu haben. Ein älterer Läufer, in ein farbenfrohes Oberteil gekleidet, überholt mich. Im Nacken sitzt ihm ein Marienkäfer. Mir sitzt der drohende Knall im Nacken, mit dem ich bald rechne. Noch halte ich mein Tempo und schaffe es auch noch bis wir den nächsten Fanpoint an dessen Rückseite streifen, dann wird es mühsam. Es geht die Prosperstraße entlang und auf der Gegenseite kommen uns bereits die schnelleren Läufer entgegen, am Ende befindet sich ein Wendepunkt. Ich bemerke die drei Bergleute zwar, registriere aber nicht, dass wir an der dritten Zeche angekommen sind, Prosper Haniel. Das wird mir erst später klar.

Im Hier und Jetzt bin ich viel zu sehr mit mir beschäftigt. Für meinen Geschmack kommt mir der Läufer mit dem 3-15-Std.-Ballon viel zu früh nach dem Wendepunkt entgegen. Wie viel mag der Abstand betragen? Vielleicht 500 Meter? Das genau zu schätzen ist schwierig. Es ist aber auf jeden Fall viel zu wenig. So ganz habe ich mich nämlich noch nicht aufgegeben. Das mit dem Ehrlichsein ist gar nicht so einfach.

Von Zuschauern und anderen Phantomen

Was jetzt kommt, ist kein schleichender Leistungsabfall, es ist eine Erosion, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Nach 25 km ist für mich der Ofen aus. Auf dem Parkplatz eines Möbelhauses nach 29 km überholt mich der 3-15-Läufer. Aber das ist nur eine Fußnote. Ich habe reichlich damit zu tun, diesen Lauf vernünftig zu Ende zu bringen.

Die nächstbeste Verpflegungsstation nutze ich, um kurz im Stehen zu trinken. Noch ausführlicher als vorher nutze ich die gereichten Schwämme, um mich gründlich abzuwaschen und je länger der Lauf dauert, desto mehr freue ich mich über die Gartenduschen, die privat und an den Verpflegungspunkten stehen. Das ist schon geil.

Für beinahe sieben Kilometer laufen wir all das noch einmal ab, was wir zwischen Kilometer 15 und 22 schon gelaufen sind. Diesmal auf der anderen Straßenseite und in umgekehrter Richtung. Besser geworden ist die Stimmung nicht, aber die, die da sind, finde ich wie immer großartig. Ein Mann ruft aus seinem Liegestuhl im Vorgarten im unnachahmlichen Dialekt des Potts: „Junge, hau rein!“, immer wieder werde ich von Wildfremden namentelich angefeuert, Kinder, verteilen privat Obst und Wasser.

Zwischendrin klaffen aber immer wieder Streckabschnitte, die sehr, sehr einsam sind. Sogar die Tribüne in Gladbeck, wo auch der Start des 10-km-Rennens lag, ist maximal zu einem Drittel gefüllt. Wo die 100.000 Zuschauer sind, von der auf bottropsport.de später die Rede ist, bleibt mir auch im Nachhinein ein Rätsel. Auf den sieben Kilometern kommen mir unentweg Läufer entgegen, einmal sogar jemand im 96-Trikot. Heute ist eben besondere Leidensfähigkeit gefragt. Ich beneide sie alle nicht, bin froh über jeden einzelnen Kilometer, den ich dem Ziel näher komme. Im Gegenverkehr tauchen regelmäßig Zug- und Bremsläufer auf. Es gibt sogar eine Läuferin für eine Zielzeit von sechs Stunden!

The Walking Dead

Ich sehe besser aus als ich mich fühle - Nordsternpark
Ich sehe besser aus als ich mich fühle – Nordsternpark

Kurz bevor ich nun endlich auf das Gelände der Zeche Nordstern komme, werde ich durch einen Staffelläufer im Sauseschritt überholt, dann nähern sich von rechts plötzlich weitere Läufer. Es sind die Halbmarathonläufer, deren Strecke sich hier mit unserer vereint. Von jetzt auf gleich bin ich nicht mehr relativ allein auf der Strecke, sondern umringt. Glücklich bin ich damit nicht. Ich fühle mich jetzt noch schlechter. Warum? Kurz zuvor war ich noch ein ziemlich derangierter Marathonläufer, der sich kraftlos dem Ziel entgegen müht. Jetzt laufe ich in einem großen Pulk mit Läufern, deren Erschöpfung genauso redlich ist, deren Leistung ich genauso wertschätze, aber nichtsdestotrotz habe ich schon 20 km mehr in den Beinen und das Gefühl, dass durch den Zusammenschluss der Strecken genau dieses Mehr an Mühe und Schweiß verlorengeht.

Wie um mein schlechtes Gefühl zu zerstreuen, werde ich zum ersten und einzigen Mal namentlich von einem Moderator erwähnt: „Da kommt Karsten, der über die gesamte Distanz unterwegs ist und schon 36 km geschafft hat. Sechs Kilometer sind es nur noch bis zum Ziel.“ Bäm! Das sitzt. Sechs Kilometer noch? Wie soll ich das noch schaffen? Das so unumwunden und unmisserständlich gesagt zu bekommen, haut mich von den Socken. Ich habe mir zuletzt immer kleiner werdende Ziele gesetzt.

Ein leicht gequältes Lächeln auf den Lippen, im Hintergrund die Zeche Nordstern
Ein leicht gequältes Lächeln auf den Lippen, im Hintergrund die Zeche Nordstern

Wir laufen über eine Brücke und ich bringe für den dort postierten Fotografen tatsächlich noch ein Lächeln zuwege. Aber so erstaunlich ist das gar nicht. Ich bin zwar vollkommen im Arsch, aber ich habe ja keien schlechte Laune. Überraschend ist für mich, dass ich kontinuierlich andere Läufer überhole. Auch die Halbmarathonläufer kämpfen. Eine Läuferin hat es schwer und wird wohl von ihrem Freund ein Stück eskortiert. Der 40. Kilometer ist mein Schlimmster. Ich muss für dreihundert Meter gehen, anders geht es nicht. Auch andere um mich herum gehen. Von Außen betrachtet müssen wir aussehen, wie die Horde in Walking Dead.

Fieberhaft rechne ich hoch: Sub 3:30 Std. will ich noch schaffen. Aber das wird eng. Viel mehr als einen 6er-Schnitt bekomme ich nicht mehr hin. Ich reiße mich also zusammen und beginne wieder zu traben.

Und er hat seines helles Licht bei der Nacht…

Zwei Kilometer noch: Ein Läufer in einer Art Arbeitsmontur singt das Steigerlied, die Hymne der Bergleute, Ausdruck der Hoffnung. Ich murmle den Text, so weit ich ihn kenne, vor mich hin und lege meine Hoffnung in ein baldiges Ende des Laufs. Zuschauer verteilen Wassereis! Wäre mein Magen nicht so strapaziert und ich damit beschäftigt, alles in mir zu behalten, was ich in den vergangenen gut drei Stunden zu mir genommen habe, es wäre das Größte!

Zieleinlauf beim VIVAWEST-Marathon 2019
Zieleinlauf beim VIVAWEST-Marathon 2019

Noch ein Kilometer: Yes, unter sechs Minuten für den letzten Kilometer! Der Moderator besteht darauf, dass es noch elfhundert Meter sind. Muss der so kleinlich sein? Er hat ja recht, aber ich rechne großzügig. Wenn jetzt nichts mehr passiert, dann bleibe ich wenigstens unter 3:30 Std. Das wäre in Anbetracht der Umstände wunderbar. Aber was ist das?!? Die Strecke führt durch eine Unterführung und dementsprechend steigt das Geläuf unmittelbar vor dem Ziel kräftig an. Muss das sein? Ich hatte völlig vergessen, dass es hier beim Start so schön hinab ging. Jetzt kostet mich das bisschen Bergauflaufen den letzten Nerv, ehe ich mich auf der Zielgeraden wiederfinde.

Einen Zielsprint lege ich nicht mehr hin, versuche nur einigermaßen nach Läufer auszusehen und nicht zu gequält. Ich verzichte auf einen Jubel, weil mir danach nicht richtig zumute ist. Dafür war es heute zu hart. Was andererseits eigentlich ein guter Grund wäre zu jubeln: Ich habe es zu Ende gebracht und am Ende eine ordentliche Zeit nach Hause gerettet. Aber ich bin halt platt. Als ich mir Wasser nehmen will, kann ich gerade noch einen Krampf abwürgen, der mir in die linke Wade fährt. Es hat ganz offensichtlich seine Gründe, warum man nach einem Marathon regenerieren sollte.

Meine besten Ergebnisse im Marathon

Stand: 19.05.2019

Die Bilder des Laufes

Der Lauf im Detail

Relive ‚VIVAWEST-Marathon – Immerhin 10. AK-Platz‘

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben
%d Bloggern gefällt das: