80er-Kind

Geschichten aus meinem Leben, vom Laufen, Reisen und Vatersein

Schlagwort: Wettkampf (Seite 1 von 2)

Nur ein paar verdammte Sekunden! 2. Silvesterlauf in Bremen

Seit ungefähr vier Kilometern habe ich nicht mehr auf die Uhr geblickt. Reiner Selbstschutz. Was sollte ich auch tun, wäre ich zu langsam? Schneller kann ich eh nicht. Ich pfeife wirklich auf dem letzten Loch. Und der leichte Anstieg hier kurz vor dem Zielbogen macht es nicht besser gemacht. Aber was heißt schon „kurz vor dem Ziel“? Verdammt lange 200 Meter sind es wohl noch bis zum Ziel. Ich bin jedenfalls nah genug, um die roten Leuchtziffern über dem Zielbogen zu entziffern. Mit einiger Mühe jedenfalls, denn mein Blick ist mindestens schon so lange nicht mehr ganz klar wie ich den Blick auf die Uhr meide.

Doch mit jedem Schritt kann ich die Zahlen deutlicher lesen. Noch bin ich leicht unter 40 Minuten, aber die Sekunden ticken unerbittlich. Das Wissen, dass die Qual gleich vorbei ist, lässt mich die letzten Funken Energie mobilisieren, die mein Körper noch zurückgehalten hat. Noch ein letztes Mal beschleunige ich und hoffe auf ein Wunder. Nichts anderes kann mir jetzt noch zum Erreichen meines angestrebten Ziels verhelfen.

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Der Dom ist das Ziel – RheinEnergie Marathon Köln

Mit der vorgestern erfolgten Anmeldung für den RheinEnergie Marathon in Köln steht mein Gerüst für die Laufplanung 2019. Ein Marathon im Frühjahr, einer im Herbst und drumherum einige kleinere Läufe als Vorbereitung.  Was simpel klingt, war gar nicht so einfach. Auch dadurch, dass mit der Anmeldung für den Halbmarathon in Berlin einige der üblichen Frühjahrsläufe ausschieden, so zum Beispiel Bonn oder auch das Heimspiel in Hannover. Hamburg wollte ich nach meinem Start im letzten Jahr auch nicht wiederholen, womit sich das Feld der Kandidaten für das Frühjahr bereits deutlich ausdünnte. Der Marathonkalender hält für das Frühjahr tatsächlich deutlich weniger interessante große Läufe bereit als im Herbst.  Lange liebäugelte  ich mit dem VIVAWEST-Marathon, entschied mich aber dagegen, weil er schon vergleichsweise spät im Jahr stattfindet und mir die Gefahr, dass es Mitte Mai zu einer Hitzeschlacht käme, einfach zu groß war.

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Meine Wettkampfergebnisse

Wettkämpfe sind das Salz in der Suppe eines Läufers und legen ein unanfechtbares Zeugnis über die eigene Leistung ab. Jeder einzelne Wettkampf ist aber auch verbunden mit eigenen Geschichten, kleinen Dramen, überraschenden Erfolgen genauso wie frustrierenden Misserfolgen.

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Lauf schneller, wir haben Hunger! Neue Bestzeit beim 20. Piepenbrock Dresden-Marathon 2018

Als wir in der Menge der Starter stehen und der Moderator uns animiert für ein paar gute Fotos die Hände in die Luft zu recken und zu klatschen, stellen sich mir die Haare auf. Jetzt habe ich Bock! Ich bin schon froh, am Start zu stehen und so langsam packt mich die Energie. Der Schwindel, der mich die letzten Tage über gequält hat, ist rechtzeitig zum Start verschwunden. Vielleicht nicht ganz, wenn ich mir selbst gegenüber die Wahrheit akzeptiere, aber er ist auf ein Maß gesunken, dass mich nicht beeinträchtigt, kaum mehr spürbar. Als Ausrede für eine schlechte Leistung taugt es jetzt jedenfalls nicht mehr. Am Freitagabend aber, war ich mir nicht sicher, ob ein Start die beste Entscheidung sei. Die Apothekerin in Dresden wirkte zumindest ernsthaft besorgt und empfahl mir, definitiv auf sportliche Belastung zu verzichten. Hätte die gewusst! Ohne weitere Medikation verließ ich die Apotheke und beäugte leicht kritisch in den folgenden Stunden meine Pulsuhr. Einigermaßen normal. Oder nicht?

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Benther-Berg-Lauf 2018

Geliebäugelt hatte ich mit einem Start beim Benther-Berg-Lauf schon länger. Schließlich nahm ich auch in den beiden vergangenen Jahren teil und mag die familiäre Veranstaltung am Fuße des Benther Bergs, der streng genommen mehr ein Hügel ist. Doch ist man rund um Hannover eben auch keine alpinen Höhen gewöhnt. Meinen endgültigen Entschluss zur Teilnahme fasste ich dann aber doch erst am Vortag des Laufs und konnte am Ende von Glück reden, mich überhaupt noch vor Ort nachmelden zu können.

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Der schnellste Lauf meines Lebens – Persönliche Bestzeit beim HAJ Hannover Marathon

Wie immer stellen sich meine Haare an den Armen auf, als die Musik einsetzt, die die letzten Sekunden bis zum Startschuss untermalt und der Ansager von zehn beginnend rückwärts zählt – dann setzt sich die riesige Masse an Läufern ganz langsam in Bewegung. Gehend erst noch, dann trabend, bis der Raum groß genug ist, um wirklich loszulaufen. Dass ich auch dabei sein kann, macht mich schon glücklich! Keine 24 Stunden vor dem Start hatte ich noch eine Zahnwurzelbehandlung über mich ergehen lassen müssen. Angesichts der akuten Zahnschmerzen hatte ich zwischenzeitlich sogar meinen Start hatte ich kurz infrage gestellt, geschweige denn daran geglaubt, eine neue Bestzeit zu laufen. Noch allzu wach waren die Erinnerungen an die Qualen im Vorjahr. Aber Kneifen gilt nicht. Dafür sind die Startgebühren auch einfach zu hoch. Und seit der Behandlung gab es eigentlich auch keinen Grund mehr, den Lauf abzublasen. Die Schmerzen waren abgeklungen.

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Einmal durch die Hölle – 5. Elm-Advents-Halbmarathon

Weil es zehn Minuten später losgeht und wir in der Kälte bei Temperaturen um die 0 °C frieren, wärmen wir uns noch ein paar Minuten im Vereinsheim des TSV Lelm auf. Und da wir sonst nichts zu tun haben, studieren wir noch einmal das Streckenprofil. Dabei wird mir plötzlich klar: Gleich nach dem Start geht es tüchtig bergan und nach kurzem Abstieg kontinuierlich wieder hinauf bis zur “Hölle”. In der Vorbereitung auf den Wettkampf hatte ich mir das Profil nie so genau angesehen, nur der “Hölle” genannte Anstieg kurz vor Ende des Rennens war bei mir hängen geblieben. Er war einer der Gründe für die Anmeldung gewesen. Die Herausforderung des knackigen Anstiegs hatte mich gereizt. Der Veranstalter hatte den Anstieg werbewirksam ins Schaufenster gestellt, offenbar so sehr, dass ich der übrigen Strecke überhaupt keine Aufmerksamkeit gewidmet hatte.

Jetzt dämmert mir, dass das heute unter Umständen kein Spaß wird. Dass es keine Bestzeit werden wird, so viel war klar. Rund 450 Höhenmeter soll man auf der Halbmarathon-Strecke sammeln. Zu viel, um die 1:27 Std. zu knacken, die ich dieses Jahr in Kiel gelaufen bin. Auf spontane Nachfrage von Nils hatte ich eine 1:35 Std. als Ziel geäußert. Jetzt bin ich mir dessen nicht mehr so sicher.

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Das Wetter zu heiß, der Magen gereizt – HAJ Hannover Marathon 2017

Erst während der Samstag langsam zur Neige ging, fiel mir auf, dass ich gar kein konkretes Ziel hatte, dass ich beim morgigen Halbmarathon in Hannover angreifen wollte, geschweige denn eine Taktik, mit der ich es würde. Weder hatte ich das Training schleifen lassen, noch war der Lauf in Vergessenheit geraten. Ganz im Gegenteil. So gut hatte ich mich noch nie auf einen Halbmarathon vorbereitet. Erstmals überhaupt mit einem Trainingsplan. Und zwar minutiös. Eine einzige Einheit hatte ich ausgelassen. Trotz der Geburt von Kind Nr. vier, trotz des Hauskaufs und den damit verbundenen Freuden einer umfassenden Sanierung und trotz der unentbehrlichen Arbeit.

Schuld war Kiel. Völlig unerwartet hatte ich dort während der Vorbereitung eine Zeit erreicht, auf die der Trainingsplan gar nicht ausgelegt war, eine Zeit, die ich mir gar nicht zugetraut hätte. 1:27:22 hatte ich in Kiel für die gut 21 Kilometer benötigt. Persönliche Bestzeit und gut eine Minute schneller als der Trainingsplan für den Lauf in Hannover versprach. Und das bei veritablem Gegenwind, der die letzten Kilometer aufkam.

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Die versehentliche Bestzeit – 23. famila Kiel-Marathon 2017

Der Countdown zum Start kommt so überraschend, dass mir auffällt, dass meine Uhr noch gar kein Satellitensignal sucht. Hektisch starte ich die Suche. Schuld ist Sven-Erik, den wir auf dem Weg zum Ostseekai aufgegabelt haben. An einer Ampel hatte er uns in ein Gespräch verwickelt, um uns dann nicht mehr von der Seite zu weichen. Geschichte um Geschichte hat uns unsere jüngste Bekanntschaft erzählt. Wie er beim Training seine Kinder in einer Schubkarre vor sich hergeschoben habe, wie ein Läufer bei einem Ultrarennen sterbend lieber zur Ziellinie getragen werden wollte als zum Krankenhaus, den unzähligen Läufen am Rennsteig, in Belgien, überall auf der Welt. Meine eigene läuferische Leistung kommt mir angesichts der Anekdoten gar nicht mehr so groß vor. Wenigstens zollt mir Sven-Erik Respekt, dass ich ganz schön schnell unterwegs sei mit meiner angepeilten Zeit. Für ihn ein zu schnelles Tempo. Doch selbst als ich mich nach vorne durch die Starter schlängele, um einen guten Platz im Startblock zu haben – schließlich gibt es hier keine Nettozeiten -, begleitet er mich. Als bekannt wird, dass einer der Topfavoriten nicht zum Start erscheint, meint er, dass dies meine Chancen erhöhe. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob er sich einen Spaß erlaubt.

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Mein erster Halbmarathon unter 1:30 Std. – HAJ Hannover Marathon 2016

Spätestens Freitag musste ich mir eingestehen, dass ich nervös bin. Ich hatte mir tatsächlich Rote-Bete-Saft gekauft. Ekelhaft. Aber wer schnell sein will, muss leiden. Vier Prozent mehr Sauerstoffaufnahme in den Muskeln, indem man sich den Saft einverleibt. Hieß es in einem Artikel von Runner’s World. So leicht erreicht man Leistungssteigerungen sonst nur auf dem Papier. Gemüsedoping quasi.

Und ich trug Kompressionsstrümpfe. Obwohl ich sie weder modisch finde, noch ernsthaft an ihre Wirkung glaube. Aber da war die leise Stimme der Hoffnung, die mir einflüsterte, dass es ja doch helfen könnte und wenn schon nicht helfen, dann doch sicher nicht schaden. Und gab es da nicht diese Studie, die besagte, dass Kompressionsstrümpfe die Regeneration unterstützten? Ein bisschen Unterstützung konnte ich nach den letzten harten Einheiten gut gebrauchen.

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