80er-Kind

Geschichten aus meinem Leben, vom Laufen, Reisen und Vatersein

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Tour zum Canto Alto

Es ist ziemlich genau 6:45 Uhr und die Via Gombito menschenleer. Die Weihnachtsbeleuchtung wirft ihr Licht auf das mittelalterliche Pflaster. Ich warte bis die Uhr ein Signal gefunden hat, dann setze ich mich in Bewegung. Es geht Richtung Südost zum Stadttor Porta S. Agostino, wo es aus der Cittá Alta – der Oberstadt – in die Città Bassa geht. Ich bin in Bergamo, Italien, und habe mir vorgenommen, einen frühmorgendlichen Lauf zum gut 1100 Meter hohen Canto Alto zu unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt glaube ich noch, dass es zwar hart wird, aber machbar. Die Strecke habe ich leicht abgewandelt von einer Seite, auf der GPS-Touren hochgeladen werden können. Dort war sie als Laufstrecke kategorisiert, weshalb ich davon ausgehe, dass die Wege entsprechend beschaffen sind.

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Trainingsplan

Das Ziel ist gesteckt. Und um dorthin zu gelangen fehlt mir jetzt nur noch ein Plan. Nur welcher? An Angeboten fehlt es nicht. Viele Internetseiten und noch mehr Bücher liefern Trainingspläne en Masse, wobei der Aufbau sich oft ähnelt. Die Grundzutaten: Eine Einheit für die Schnelligkeit, ein extensiver Dauerlauf am Wochenende und dazwischen Einheiten zum Sammeln von Kilometern. Womit wir die drei wichtigsten Zutaten für ein erfolgreiches Rezept beisammen hätten.

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Hamburg ich komme

Hamburg-Marathon! Ich freue mich wie Bolle! Lange bin ich drumherum geschlichen, habe mich immer wieder mit dem Gedanken befasst und doch keine Entscheidung getroffen. Klassischer Fall von Entscheidungsschwäche. Und als ich endlich so weit war, mich ernsthaft damit zu beschäftigen, musste ich feststellen, dass ich nicht bereit war, die inzwischen notwendigen 80 € für einen Startplatz auf den Tisch zu legen. Sage noch mal jemand, Laufen sei ein billiges Hobby. Entscheidung vertagt. Denn loslassen wollte ich den Gedanken noch nicht. Irgendwie musste ich doch noch einen Weg finden, einen Startplatz für weniger als die verlangten 80 € zu bekommen. Und ebay sei Dank, sollte ich tatsächlich Glück haben. „Nur“ 50 € wollte dort ein Starter für seinen Platz haben. Zzgl. der geforderten 21 € für die Ummeldung – ein Schnapper sondergleichen. Und das Beste: Für den besten Kumpel habe ich gleich auch noch einen Platz aufgetan.

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Einmal durch die Hölle – 5. Elm-Advents-Halbmarathon

Weil es zehn Minuten später losgeht und wir in der Kälte bei Temperaturen um die 0 °C frieren, wärmen wir uns noch ein paar Minuten im Vereinsheim des TSV Lelm auf. Und da wir sonst nichts zu tun haben, studieren wir noch einmal das Streckenprofil. Dabei wird mir plötzlich klar: Gleich nach dem Start geht es tüchtig bergan und nach kurzem Abstieg kontinuierlich wieder hinauf bis zur “Hölle”. In der Vorbereitung auf den Wettkampf hatte ich mir das Profil nie so genau angesehen, nur der “Hölle” genannte Anstieg kurz vor Ende des Rennens war bei mir hängen geblieben. Er war einer der Gründe für die Anmeldung gewesen. Die Herausforderung des knackigen Anstiegs hatte mich gereizt. Der Veranstalter hatte den Anstieg werbewirksam ins Schaufenster gestellt, offenbar so sehr, dass ich der übrigen Strecke überhaupt keine Aufmerksamkeit gewidmet hatte.

Jetzt dämmert mir, dass das heute unter Umständen kein Spaß wird. Dass es keine Bestzeit werden wird, so viel war klar. Rund 450 Höhenmeter soll man auf der Halbmarathon-Strecke sammeln. Zu viel, um die 1:27 Std. zu knacken, die ich dieses Jahr in Kiel gelaufen bin. Auf spontane Nachfrage von Nils hatte ich eine 1:35 Std. als Ziel geäußert. Jetzt bin ich mir dessen nicht mehr so sicher.

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Das Wetter zu heiß, der Magen gereizt – HAJ Hannover Marathon 2017

Erst während der Samstag langsam zur Neige ging, fiel mir auf, dass ich gar kein konkretes Ziel hatte, dass ich beim morgigen Halbmarathon in Hannover angreifen wollte, geschweige denn eine Taktik, mit der ich es würde. Weder hatte ich das Training schleifen lassen, noch war der Lauf in Vergessenheit geraten. Ganz im Gegenteil. So gut hatte ich mich noch nie auf einen Halbmarathon vorbereitet. Erstmals überhaupt mit einem Trainingsplan. Und zwar minutiös. Eine einzige Einheit hatte ich ausgelassen. Trotz der Geburt von Kind Nr. vier, trotz des Hauskaufs und den damit verbundenen Freuden einer umfassenden Sanierung und trotz der unentbehrlichen Arbeit.

Schuld war Kiel. Völlig unerwartet hatte ich dort während der Vorbereitung eine Zeit erreicht, auf die der Trainingsplan gar nicht ausgelegt war, eine Zeit, die ich mir gar nicht zugetraut hätte. 1:27:22 hatte ich in Kiel für die gut 21 Kilometer benötigt. Persönliche Bestzeit und gut eine Minute schneller als der Trainingsplan für den Lauf in Hannover versprach. Und das bei veritablem Gegenwind, der die letzten Kilometer aufkam.

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Die versehentliche Bestzeit – 23. famila Kiel-Marathon 2017

Der Countdown zum Start kommt so überraschend, dass mir auffällt, dass meine Uhr noch gar kein Satellitensignal sucht. Hektisch starte ich die Suche. Schuld ist Sven-Erik, den wir auf dem Weg zum Ostseekai aufgegabelt haben. An einer Ampel hatte er uns in ein Gespräch verwickelt, um uns dann nicht mehr von der Seite zu weichen. Geschichte um Geschichte hat uns unsere jüngste Bekanntschaft erzählt. Wie er beim Training seine Kinder in einer Schubkarre vor sich hergeschoben habe, wie ein Läufer bei einem Ultrarennen sterbend lieber zur Ziellinie getragen werden wollte als zum Krankenhaus, den unzähligen Läufen am Rennsteig, in Belgien, überall auf der Welt. Meine eigene läuferische Leistung kommt mir angesichts der Anekdoten gar nicht mehr so groß vor. Wenigstens zollt mir Sven-Erik Respekt, dass ich ganz schön schnell unterwegs sei mit meiner angepeilten Zeit. Für ihn ein zu schnelles Tempo. Doch selbst als ich mich nach vorne durch die Starter schlängele, um einen guten Platz im Startblock zu haben – schließlich gibt es hier keine Nettozeiten -, begleitet er mich. Als bekannt wird, dass einer der Topfavoriten nicht zum Start erscheint, meint er, dass dies meine Chancen erhöhe. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob er sich einen Spaß erlaubt.

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Mein erster Halbmarathon unter 1:30 Std. – HAJ Hannover Marathon 2016

Spätestens Freitag musste ich mir eingestehen, dass ich nervös bin. Ich hatte mir tatsächlich Rote-Bete-Saft gekauft. Ekelhaft. Aber wer schnell sein will, muss leiden. Vier Prozent mehr Sauerstoffaufnahme in den Muskeln, indem man sich den Saft einverleibt. Hieß es in einem Artikel von Runner’s World. So leicht erreicht man Leistungssteigerungen sonst nur auf dem Papier. Gemüsedoping quasi.

Und ich trug Kompressionsstrümpfe. Obwohl ich sie weder modisch finde, noch ernsthaft an ihre Wirkung glaube. Aber da war die leise Stimme der Hoffnung, die mir einflüsterte, dass es ja doch helfen könnte und wenn schon nicht helfen, dann doch sicher nicht schaden. Und gab es da nicht diese Studie, die besagte, dass Kompressionsstrümpfe die Regeneration unterstützten? Ein bisschen Unterstützung konnte ich nach den letzten harten Einheiten gut gebrauchen.

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Geschafft! Der Marathon unter 3:30 Std. – HAJ Hannover Marathon 2015

Die Nacht war nicht schlecht. Oder zumindest nicht so schlecht wie sie hätte sein können, wenn man einen Säugling hat, der so gar nichts davon wissen will, dass man vor einem Marathon eine gehörige Portion Schlaf gut gebrauchen kann. Das frühe Zubettgehen endet damit, dass ich – kaum eingeschlafen – schon wieder wach bin. Das Kind plärrt und zieht um ins Elternbett. Ich ziehe weiter ins Hochbett der Tochter, die glücklicherweise ausquartiert wurde. Besser als auf der Couch zu schlafen ist das allemal.

Immerhin ist jetzt Ruhe und unter dem Betthimmel ist es auch ganz gemütlich. Würden die Gedanken nicht unaufhörlich um ungeklärte Fragen kreisen. Wann essen und wie viel? Soll ich den Getränkegürtel doch mitnehmen? Wie gehe ich das Rennen an und wie soll ich es mir einteilen?

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Drama, Drama, Drama, Baby!

Mein Vorhaben ist gescheitert. Ich bin den Seinäjoen Marathon weder durchgelaufen, noch habe ich meine persönliche Bestzeit unterbieten können. Ganz im Gegenteil musste ich den Lauf sogar vorzeitig beenden, obwohl alles so gut angefangen hatte.

Nichts ist zu spüren von den Beschwerden, über die ich unlängst klagte. Keine Atemnot, keine Schwäche, kein Problem mit dem Tempo. Im Gegenteil fühle ich mich stark, ruhig und habe gute Beine, wie man so schön sagt. Die ersten Kilometer erscheint mir das Tempo derart langsam, dass ich meinen angepeilten 5:20-Schnitt sogar um 20 Sekunden unterbiete und in der Folge darauf achten muss, nicht zu schnell zu werden. Es gilt schließlich die Kräfte einzuteilen, nicht das Kleingeld schon jetzt auszugeben. Mit einem kleinen Zeitpolster beende ich die erste Runde, bekomme beim Durchqueren des Zielbereichs in Vorfreude auf den möglichen Zieleinlauf in knapp 3 Stunden bereits jetzt Gänsehaut. Die nächsten 10,5 km können kommen.

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