3.000 Kilometer! Seit ich meine Läufe systematisch aufzeichne, bin ich noch in keinem Jahr so viel gelaufen wie 2018. Mit meinem gestrigen Trainingslauf sind es jetzt bereits knapp über 3.000 km. Gut 1.000 km mehr als in den vergangenen Jahren und immer noch 500 km mehr als 2013, dem Jahr mit dem zweitgrößten Umfang in meiner Zeit als Läufer.

Das ist immer noch weit weg von den Umfängen, die ambitionierte Marathonläufer schrubben, von professionellen Athleten ganz zu schweigen. Deren Pensum habe ich nicht einmal zur Hälfte geschafft. Gleichwohl sind 3.000 Kilometer eine stattliche Laufbilanz gegenüber den durchschnittlich 21 Meilen pro Woche (ca. 1800 km pro Jahr) amerikansicher Läufer, den die National Runner Survey 2017 ermittelte. Auch ist dafür deutlich mehr Aufwand notwendig, als die durchschnittlich sieben Läufe pro Monat von im Schnitt 6,4 km Länge, die Asics vor einigen Jahren als repräsentativ für deutsche Läufer ermittelte. Über das Jahr gesehen waren es mehr als 15 Läufe pro Monat mit durchschnittlich 16 Kilometern Länge.

3.000 km bedeuten also eine Menge Schweiß. Ich will nicht fabulieren von „Blut, Schweiß und Tränen“. Das ist erstens zu abgedroschen und zweitens gab es schlicht kein Blut und keine Tränen. Höchstens ein paar Blasen und wundgescheuerte Körperpartien. Nicht mehr, nicht weniger. Ich würde eher von „Schweiß, Zeit und Motivation“ reden.

Motivation, weil es für jeden Lauf gilt, den natürlichem Widerstand des inneren Schweinehundes zu überwinden. Die Willenskraft aufzubringen, die es braucht, um sich aus der angenehmen Bettwärme zu erheben, um im morgendlichen Dunkel durch die Kälte zu traben, die Kraft zu finden, um nach einem langen Arbeitstag den Laufschuhen den Vorrang vor dem Sofa zu geben, wenn schließlich alle Kinder im Bett sind. So viel mir das Laufen gibt, es gehört eine gewisste Strenge gegen sich selbst dazu, an jedem zweiten Tag des Jahres zu laufen. Hier hilft vor allem Gewohnheit. Gar nicht erst infrage zu stellen, ob man läuft, den Trainingslauf als gesetzt ansehen. Ganz so, wie man es für selbstverständlich erachtet, morgens zur Arbeit zu gehen. Denn nichts anderes ist ein Laufpensum von 3.000 Kilometer im Jahr als harte Arbeit. Dass viel Lauferei auch ein gewisses Quantum an Zeit benötigt, liegt auf der Hand. Im Schnitt bedeutet jeder Kilometer einen Zeitaufwand von fünf Minuten. Was in meinem Fall in Summe über 250 Stunden in sind, mehr als zehn volle Tage.

Trainingsumfang 2018
Trainingsumfang 2018 oder wohin ich hätt laufen können

3.000 km sind eine irrwitzige Distanz, kaum greifbar. Um es besser zu verstehen: In gerader Linie gelaufen – Luftlinie sozusagen – wäre ich im letzten Jahr von meinem Wohnort an exotische Orte gelangt.  Wahlweise bis an die Grenzen des Urals, bis nach Damaskus oder in den Norden des Irans – wenn man dort hinmöchte. Kairo? Kein Problem, sogar bis tief in die Sahara wäre ich gekommen oder bis an mein Traumziel, die Azoren. Wenngleich ich dafür über Wasser hätte laufen müssen. Aber was sagt mir das alles? Dass man auch mit den Füßen weit kommen kann, wenn man sich ranhält? Dass ich bei geschickter Urlaubsplanung auch ohne Flugzeug nach Südeuropa gelangt wäre? Ein interessanter Gedanke. Erst recht, wenn die Partnerin mit dem Vorschlag um die Ecke kommt, den Urlaub dieses Jahr einfach mal anders zu verbringen, zum Beispiel einen Pilgerweg zu laufen.

Reizvolle Idee! In jedem Fall zeigt mir das Ergötzen an den eigenen Leistungen aber, dass ich in diesem Jahr sehr konsquent war, fleißig und – ganz wichtig! – verletzungfrei. Wenn das 2019 so bleibt, bin ich zufrieden.